… wenn man sich von Tech-Monopolen und Software entmündigen lässt
Der Karlsruher Professor für Angewandte Ethik, Dr. phil. Ziad Mahayni, vertritt die These, dass man generative KI nicht als weiteres Werkzeug zur Erledigung von Aufgaben begreifen dürfe, sondern als eine Meta-Technologie, die das gesamte Agieren und das Selbstverständnis des Menschen verändert. Das hätte dann im Kontext von Bildung gravierende Auswirkungen auf die Frage, was überhaupt vermittelt, wie gelehrt bzw. gelernt wird. Oder man stellt die Frage, ob man so grundlegenden Entscheidung von einer aktuellen Technologie und Wirtschaftsinteressen abhängig macht – und was die Alternativen sind.
Der Text (7 Seiten) als PDF: KI verändert das Leben, das Denken und das Lernen …
Die Thesen von Ziad Mahayni
Das Positionspapier (1), das FAZ-Interview (2) und das Video des Vortags von Prof. Dr. Ziad Mahayni im Rahmen der Ethikvorlesung (3) des Zentrum für ethische Fragen im 21. Jahrhundert (ZEF 21) kann man allen Lehrenden, aber auch Schülern, Studierenden und ihren Eltern empfehlen. Nicht, weil man seiner Argumentation in allen Aspekten folgen sollte, sondern weil Mahayni in aller Deutlichkeit ausformuliert, dass mit generativer KI (gen AI) aus kommerziellen und machtpolitischen Interessen Anwendungen auf dem Markt geworfen wurden, die den Menschen an seiner empfindlichsten Stelle ansprechen: seiner Bequemlichkeit und Trägheit und der möglichen Minimierung des eigenen Aufwands, um zu einem (zumindest vermeintlich gültigen) Ergebnis zu kommen.
Faulheit, Feigheit und Bequemlichkeit sind eine sowohl biologisch-genetische wie historische und soziale Konstante für Unmündigkeit. Warum sollte ich mich anstrengen, wenn ich ein Ziel auch ohne Anstrengung erreiche? Der deutsche Philosoph Immanuel Kant, und Vordenker der Aufklärung hat es 1784 in seiner Schrift „Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?“ so formuliert:
„Faulheit und Feigheit sind die Ursachen, warum ein so großer Teil der Menschen, nachdem sie die Natur längst von fremder Leitung freigesprochen, dennoch gerne zeitlebens unmündig bleiben; und warum es anderen so leicht wird, sich zu deren Vormündern aufzuwerfen. Es ist so bequem, unmündig zu sein. Habe ich ein Buch, das für mich Verstand hat, einen Seelsorger, der für mich Gewissen hat, einen Arzt, der für mich die Diät beurteilt usw., so brauche ich mich ja nicht selbst zu bemühen. Ich habe nicht nötig zu denken, wenn ich nur bezahlen kann; andere werden das verdrießliche Geschäft schon für mich übernehmen.“ (Kant, 1784; dazu Lankau 2015)
Andere denken und entscheiden für mich. Das Besondere der generativen KI sieht Mahayni nun darin, dass sie nicht nur ein Einzelwerkzeug ist, sondern ihrer Struktur und Funktion nach zum Universalwerkzeug erklärt wird: generative KI als das sprichwörtliche „Schweizer Messer“ in der Hosentasche.
„Ein Navigationssystem schwächt die räumliche Intelligenz, ein Smartphone das Zahlengedächtnis, der Taschenrechner das Kopfrechnen. Das sind belegbare Effekte, aber das sind Technologien mit engem Anwendungsbereich. KI hingegen ist eine Metatechnologie, deren Einsatzbereich praktisch keine Grenzen hat.“ (Mahayni, 2)
Die Überhöhung eines Geräts kennt man vom Smartphone, das über entsprechende Apps für alle möglichen Dienste eingesetzt wird. Generative KI geht aber noch einen Schritt weiter, indem z.B. bei Suchmaschinen nicht mehr mehrere Links zur weiteren Recherche oder Lektüre angezeigt werden, sondern als erstes eine KI-generierte Zusammenfassung – die den meisten Menschen als Antwort genügt. Nicht nur das Suchen und Entscheiden lässt sich der Mensch so abnehmen, sondern auch die Verantwortung für die richtige Antwort, das passende Ergebnis lässt sich so (vermeintlich) delegieren. Die „Schuld“ für Fehlentscheidungen haben dann andere. Ausgeblendet wird die völlige Intransparenz des Zustandekommens der Ergebnisse und die dadurch mögliche, vollständige Manipulation der Nutzer durch die Selektion der „Ergebnisse“.
Noch wichtiger für die Diskussion in Bildungseinrichtungen ist aber der langfristige Schaden dieser Bequemlichkeit, der sich im Begriff des „cognitive diminishment“ manifestiert, die nachgewiesene und vor allem dauerhafte kognitive Schwächung.
„KI untergräbt die Fähigkeit zum Denken per se, nicht in einem singulären Bereich, sondern in der Grundstruktur. (…) Der Intelligenzforscher Robert Sternberg spricht von mutwilliger Selbstverdummung. Ein Bildungssystem, das dies incentiviert, betreibt mutwillige Fremdverdummung.“ (Mahayni, 2)
Im Positionspapier fährt Mahayni in der Rubrik „Abbau des Denkens“ anschaulich aus:
„Arbeiten oder Lernen mit KI ist Outsourcing des Denkens an Maschinen. Zu glauben, dies sei ohne Rückwirkung auf das kognitive Vermögen des Menschen möglich, ist naiv. Bildlich ausgedrückt, es ist, wie wenn man in einem Fitnessstudio Gewichte mit einem Gabelstapler hebt. Das Ergebnis ist gut, in der Regel sogar besser, als wenn man selbst Hand anlegt – sofern man „Ergebnis“ als Output in der Einheit ‚gehobenes Gewicht‘ bemisst. Sollte ursprünglich jedoch das Ziel gewesen sein, seine körperliche Fitness zu steigern, ist nichts gewonnen, im Gegenteil: sie degeneriert.“ (Mahayni, 1, S. 3)
Joachim Bauer, Neurowissenschaftler, Facharzt und Psychotherapeut, formuliert in seinem Buch „Menschlichkeit in digitalen Zeiten“: „Die Einführung von Künstlicher Intelligenz in Kitas, Schulen und Universitäten bedeutet, dass technisch hoch entwickelte, im Grund aber abgrundtief dumme Systeme wie ChatGPT, die nachplappern, womit sie gefüttert werden, potenziell hochbegabte junge Menschen davon abhalten, ihre eigene Intelligenz zu entwickeln. Das ist absurd.“ (Bauer 2026, S. 166)
Wer den Schuss jetzt immer noch nicht gehört hat, dem sei das Zitat von Sternberg nahegelegt: „Der Intelligenzforscher Robert Sternberg spricht von mutwilliger Selbstverdummung. Ein Bildungssystem, das dies incentiviert, betreibt mutwillige Fremdverdummung.“ (Mahayni, 2)
Was sind die Alternativen?
In der Analyse der Folgen des KI-Einsatzes in Bildungseinrichtungen kann man Mahayni folgen, in den Ableitungen nicht unbedingt. Das beginnt mit nicht haltbaren Setzungen. Wir leben nicht in einem „KI-Zeitalter“. Das ist ein Überhöhung, die zwar den Tech-Monopolen und ihren KI-Bots schmeicheln mag (und die irrsinnigen Investitionen in Billionenhöhe rechtfertigen soll). Es geht an der Realität vorbei. Zum einen ist KI keine neue Technik, sondern als mathematisches Modell unter dem Begriff der „Kybernetik“ seit 1948 bekannt und wird seit 1956 unter dem Begriff „Artificial Intelligence“ vermarktet, weil sich die „Steuerung von technischen und sozialen Systemen und Organismen“ (d.h. auch Menschen) schlechter Sponsorengelder einwerben ließen. Denn das Prinzip der (Selbst)Entmündigung steckt in allen Automatisierungs- und Datenverarbeitungssystemen zur Optimierung von Prozessen. Selbst die seit November 2022 publizierten ChatBots wie ChatGPT von Open AI sind im Prinzip seit den 1960er Jahren bekannt (Eliza von Jospeh Weizenbaum), auch wenn sich die Rechenleistung vervielfacht hat. Der Hype um generative KI ist denn auch bereits der der dritte Hype, nach den 1950er und 1980er Jahren.
Jedem Hype folgt die Baisse, auch die Blase der generativen Blase platzt zuverlässig oder ist (je nach Fokus und Partikularinteressen der Berichterstatter) bereits geplatzt. Der in Europa übliche Fokus auf US-Anbieter wird konterkariert durch chinesische Modelle, die mit ihren Large Language Models (LLMs) bei einem Bruchteil der Kosten zu vergleichbaren (oder sogar besseren) Ergebnissen kommen und deutlich effizienter sind. Die Rieseninvestitionen der Big Five in den USA in immer noch größere Rechenzentren rechnen sich nicht einmal mehr spekulativ. Wenige Spekulanten werden ihren Reibach machen, ein Großteil der Investoren werden massive Verluste hinnehmen müssen wie beim Internetcrash 2000 oder beim Bankencrash 2008.
Spätestens dann wird man differenzieren zwischen eher trivialen Aufgaben, die KI tatsächlich übernehmen kann und dem, was nur Menschen leisten können, also die Unterscheidung, „ wann KI von nervigen Routinetätigkeiten entlastet und wann sie zu einer Selbstentmündigung in der Persönlichkeitsentwicklung führt“, wie es Mahayni im Interview formuliert. Und er führt weiter aus, worin er die entscheidende Differenz zwischen einem mathematischen System der Automatisierung von Datenverarbeitungsprozessen (gen AI, Large Language Models und Bots sind ja letztlich nur Mathematik: Mustererkennung, Statistik und Wahrscheinlichkeitsrechnung) und dem menschlichen Denkvermögen sieht: KI könne …
„… kein Ziel aus sich selbst heraus entwickeln, hat keine Intention, kein Anliegen, kein Problem, das sie lösen möchte. Die Philosophie hat dafür eine hilfreiche Unterscheidung, auf die Kant hingewiesen hat: den Unterschied zwischen Verstand und Vernunft. Verstand ist zielerreichend: Ich habe ein Ziel, und der Verstand hilft mir, es so effizient wie möglich zu erreichen.
Vernunft ist zielsetzend: Sie ist die Fähigkeit, innezuhalten und zu fragen, ob das Ziel überhaupt ein sinnvolles ist. KI ist die exponentielle Steigerung von Verstand ohne Vernunft. Die Frage, was wir wollen, was sinnvoll ist, bleibt eine zutiefst menschliche Aufgabe. Und je mehr wir technisch können, desto wichtiger wird genau diese Fähigkeit. Bildung im KI-Zeitalter muss stärker auf Vernunftkompetenz ausgerichtet werden: auf die Fähigkeit, das Sinnvolle im Meer des Machbaren zu identifizieren.“ (Mahayni, 2)
Was fehlt: Die pädagogische Perspektive
Für Bildungseinrichtungen kommt ein ganz entscheidender Aspekt dazu. Nur weil IT-Konzerne neue Tools auf den Markt werfen, müssen weder Kitas noch (Hoch)Schulen damit arbeiten. Es ist der Wesenskern jeder Fachdidaktik, neben den Bildungszielen auch über hilfreiche und kontraproduktive Medien im Unterricht zu entscheiden. Und so, wie die Kultus- und Bildungsministerien mittlerweile weltweit dafür sorgen, dass private digitale Endgeräte aus dem Unterricht verbannt werden (müssen), steht die Erkenntnis zu KI noch aus, dass Schülerinnen und Schüler nichts lernen, wenn sie das Denken, Formulieren, Schreiben, Rechnen etc. an Bots auslagern.
„Die Attraktivität des Lernens mit KI-Assistenten liegt darin, dass man aufwandsminimiert zu guten Ergebnissen und, im Falle von Prüfungen, zu guten Noten kommt. Mit der Eliminierung der Anstrengung wird jedoch zugleich das Lernen eliminiert. Das ist unausweichlich.“ (Mahayni, 1, S. 6)
Das Lernen zu eliminieren und sich in die Abhängigkeit digitaler Systemen und kommerzieller Anbietern zu begeben, kann aber niemals Ziel von Schule sein. Unterricht oder Studium, Lernen bleibt an das Selberlernen und Selbermachen gekoppelt, an die eigene Anstrengung, an das Scheitern und Wiederholen, bis man etwas kann. Nur so lernt man Laufen oder das Spielen eines Instruments, die eigen Sprache oder irgend ein Handwerk. Und ja, Lernen kann anstrengend sein, aber die Anstrengung lohnt, weil man dann nicht nur etwas gelernt hat, sondern auch etwas kann. Es ist wie beim Beispiel mit dem Gabelstapler: Wenn eine Maschine Gewichte bewegt, wird man selbst weder kräftiger noch körperlich fit.
Missverständlich bleibt seine Empfehlungen im Interview, „Selbstentmündigungskompetenz“ zu entwickeln, der Begriff verwirrt. Mahayni definiert ihn:
„Bewusst unterscheiden, wo KI entlastet und wo sie entmündigt. Orte schaffen, an denen man eigenständig denkt, Hürden überwindet, Selbstwirksamkeit erlebt.“ (Mahayni, 2)
Gemeint ist also das exakte Gegenteil: Das Urteilsvermögen, darüber zu entscheiden, wo KI entlastet und wo sie entmündigt. Urteilsvermögen setzt aber bereits Fachkenntnis und Lebens- oder Berufserfahrung voraus. Hier sollte Mahayni auch nicht auf den Lehrer als Mentor (heute oft auch Lernbegleiter oder Coach) ausweichen, sondern klar formulieren, dass Lehrende durch ihre Expertise, Lebenserfahrung und Persönlichkeit ihre pädagogische Rolle als „Führer der Jugend“ übernehmen müssen, wenn auch mit dem Ziel, diese in die Selbständigkeit zu ge- (und nicht nur zu be-) gleiten.
Was die Frage der zu vermittelnden „Kompetenzen“ betrifft, ist „Anschlussfähigkeit“ ein, mit Verlaub, ein maximal missverständlicher Begriff. Anschlussfähig kann man junge Menschen durch Erziehung (oder Drill, Nudging, gezielte Manipulation …) zu allem nur Erdenklichen machen. Das ist kein Wert an sich, anders als Respekt vor dem anderen, Toleranz als Basis einer vielfältigen Gemeinschaft oder das Bekenntnis zu demokratischen Systemen. Auf einem Schulleitungssymposium wurden bereits 2017 als bildungspolitische Ziele Kriterien einer adäquaten Bildung für eine offene Zukunft formuliert: „eine stärkere Perspektivenorientierung auf Persönlichkeitsentwicklung, Mündigkeit, Förderung von Gemeinschaftssinn, Selbstverantwortung, verantwortungsvolle Partizipation an der Demokratie und achtungsvoller Umgang mit der fragilen Umwelt“ (Simanowski 2021). Keines dieser Lernziele lässt sich per IT und KI vermitteln. Werte als Grundlage für eigenes Handeln entstehen nur durch Bindung und Vertrauen, im Dialog und Diskurs. Im thüringischen Bildungsplan für Grundschulen steht dazu der schöne Satz: „Bildung ist »die Verknüpfung unseres Ichs mit der Welt« (Humboldt)
Schwierig ist der auch der Begriff Kollaboration. Er soll im aktuell benutzten „4K-Modell“ zwar Zusammenarbeit zwischen Personen oder Gruppen von Personen bedeuten, ist als historischer Begriff aber mit „Zusammenarbeit mit dem (Kriegs-)Gegner“ besetzt. Kollaborateure wurden nach Kriegsende verhaftet und verurteilt. Hier zeigt sich die fehlende Sensibilität für die eigene Bedeutung von Begriffen und die Willfährigkeit gegenüber Modellen aus dem angelsächsischen Sprachraum mitsamt oft falscher Übernahme und Eindeutschung von Anglizismen. Im Englischen stehen die vier „C“ für Communication, Collaboration, Creativity und Critical thinking. Es ist wenig hilfreich, Modelle zu adaptieren, dies sich zwar gut vermarkten lassen, aber letztlich nur inhaltsleere Worthülsen weiter tragen, die nach Belieben gefüllt werden können. Kommunikativ sind auch viele Lügner und Betrüger, Polemiker und Rhetoriker …
Spannend ist der Schluss des Positionspapiers, bei dem die Philosophie vernünftigerweise (!) als Leitdisziplin des Lernens und Basis für Bildungsprozesse angeführt wird. Die wichtigste Disziplin der Bildung wie der Wissenschaft überhaupt – logisches Denken und Schlussfolgern – ist eine der fünf philosophischen Disziplinen (neben Ästhetik, Ethik, Erkenntnistheorie und Metaphysik). Philosophie lehrt das Denken in Begriffen und dadurch das Beherrschen der eigenen Sprache als Voraussetzung für Kommunikation und Partizipation.
„Philosophie als Schule des Denkens verstanden – nicht als geisteswissenschaftliche Fachdisziplin – scheint die beste Grundausbildung in kritischem Denken zu sein, die zur Verfügung steht. Sie ist neben Kunst und Literatur der wohl letzte verbliebene Anspruch in einer immer tiefer in mikroskopische Fachdisziplinen zersplitterten Bildungslogik Überblick zu gewinnen und Sinnzusammenhänge herzustellen. In einer Zeit, in der zudem technisch immer mehr machbar wird und somit die ethische Frage, was gemacht werden sollte immer bedeutender, sollte philosophisch-ethische Ruflektion als Kernbestandteil von Bildung verstanden werden.“ (Mahayni, 1, S. 11)
Summa summarum führt die Auseinandersetzung mit den Texten und Vorträgen von Ziad Mahayni dazu, sich selbst in der Rolle als Lehrender wie des Lernenden zu hinterfragen. Seine Argumentation ist ein Zugewinn für den Diskurs und die (immer notwendige) Kontroverse auf der Suche nach richtigen Antworten. Denn Bildung wie Wissen(schaft) fördern als wichtigstes Instrument das Fragen und Hinterfragen, auch mit dem Ziel der Korrektur eigener Positionen aufgrund neuer Erkenntnisse. Dabei hilft kein KI-Werkzeug, da eine Software exakt nichts von dem versteht, was sie rasend schnell berechnet.
Als Hauptkritikpunkt sei zum Schluss formuliert. Der Sinn von Bildung und des Lernens ist nicht davon abhängig, was aktuelle Datenverarbeitungssysteme leisten können oder welche Tools gerade auf dem Markt sind. Das hieße, Bildungsinhalte und -methoden an kommerzielle Unternehmen (hier die IT-Monople der demokratiezerstörenden Tech-Monarchen) zu delegieren. Aber es zeigt, dass die Debatte auf vielen Ebenen geführt werden muss. Meine Gegenthese ist schlicht, dass man als Lehrender in Bildungseinrichtungen vermittelt, warum man keine Tools einsetzt, die das Lernen verhindern und Menschen entmündigen statt sie in die Selbständigkeit und Selbstverantwortung zu führen.
Denn sinnvoll und effizient kann man mit KI-Tools erst arbeiten, wenn man sie nicht mehr braucht, um Aufgaben zu lösen oder zu Ergebnissen zu kommen. Die Simulation von Intelligenz kann humane Intelligenz nicht ersetzen. Das ist vielleicht elitär, aber wer glaubt, er müsse nicht mehr spazieren gehen, nur weil man mit einem Auto oder Bus schneller ans Ziel kommt, hat nicht verstanden, was spazieren gehen im Kern ist: Eine Sinneserfahrung, bei der man den Weg und die Geschwindigkeit bestimmt und all das sieht und hört und riecht, was man beim Vorbeifahren niemals sähe.
Referierte Texte von Zian Mahayni
- Positionspapier : Ziad Mahayni(2026) Wozu lernen, wenn KI alles weiß? Positionspapier zur Bildung im KI-Zeitalter, DOI:10.5281/zenodo.19181761
Der Sinn von Bildung wird durch Künstliche Intelligenz infrage gestellt. Studierende fragen sich, welchen Wert das Lernen bzw. allgemein ein Studium noch hat, wenn Wissen auf Knopfdruck zur Verfügung steht. Lehrende fragen sich mit welchen Inhalten sie einen sinnvollen Beitrag zur Entwicklung Lernender leisten können. Bildungseinrichtungen wiederum müssen sich die Frage nach ihrer Existenzberechtigung stellen. Die Gefahr, dass das Bildungssystem disruptiert wird, bevor es Antworten findet, ist real. Problematisch wäre das nur, wenn durch die Disruption des Lernens und der Bildung etwas verloren ginge, das auch im KI-Zeitalter von Bedeutung ist. In dem Positionspapier wird unter Hinweis auf jüngere Forschungsergebnisse argumentiert, dass es sich dabei um die Fähigkeiten des Denkens und Lernens selbst handelt. Es wird die Notwendigkeit eines neuen Leitbilds für Bildung im KI-Zeitalter erörtert und Maßnahmen auf dem Weg dorthin vorgeschlagen. - FAZ-Interview: Ethikprofessor warnt: „KI stellt den Sinn von Bildung grundsätzlich in Frage“. Von Anne Kokenbrink, KI verbessert die Noten vieler Schüler und Studenten – doch zu welchem Preis? Der Ethikprofessor Ziad Mahayni warnt vor dem schleichenden Verlust des eigenständigen Denkens und plädiert für ein neues Verständnis von Bildung. In: FAZ vom 31.07.2026: URL: https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/mehr-wirtschaft/ethikprofessor-warnt-kuenstliche-intelligenz-stellt-den-sinn-von-bildung-grundsaetzlich-infrage-accg-201049545.html (3.8.2026)
- Video: Wozu ist lernen noch gut, wenn Künstliche Intelligenz alles weiß?
Vortrag im Rahmen der Vortragsreihe des Zentrum für ethische Fragen im 21. Jahrhundert (ZEF 21 – https://www.zef21.de/) in Kooperation mit der Geschäftsstelle der Studienkommission für Hochschuldidaktik (GHD) (https://www.hochschuldidaktik.net/), Studierende stellen sich – nicht grundlos – die Frage, welchen Wert erlerntes Wissen im Zeitalter von Künstlicher Intelligenz noch hat: Wozu noch lernen, wenn Wissen auf Knopfdruck zur Verfügung steht? Wozu eine Aufgabe oder Hausarbeit eigenständig absolvieren, wenn sich mit Hilfe von KI schneller ein gutes Ergebnis erzielen lässt? Hochschul- und Bildungseinrichtungen auf der anderer Seite stellen sich die Frage, wie sie mit KI-generierten Arbeiten umgehen sollen, wissend, dass der Nachweis von KI-Nutzung kaum möglich ist.
Aufzeichnung des Vortrags auf dem YouTube-Kanal des ZEW 21: https://youtu.be/CeeT-zanQ08 - Private Website: https://mahayni.de/
Weitere zitierte Literatur und Quellen
Kant Immanuel (1784) Beantwortung der Frage: was ist Aufklärung? (Scan und PDF, Univ. Wien): https://homepage.univie.ac.at/henning.schluss/seminare/2016-SS/Potsdam-Bi-po/TExte/Kant_Was_ist_Aufklaerung.pdf (3.8.2026)
Lankau, Ralf (2015) Beantwortung der Frage: Was heißt Aufklärung heute? Paraphrase der Antwort Kants unter der Prämisse der Digitalisierung; https://die-pädagogische-wende.de/beantwortung-der-frage-was-heisst-aufklaerung-heute/ (3.8.2026)
Simanowski, Roberto (2021): Digitale Revolution und Bildung, Weinheim (Beltz).
Der Text (7 Seiten) als PDF: KI verändert das Leben, das Denken und das Lernen …